Caesar zu Pferde

Ross und Reiter in Caesars Kommentarien und der Germania des Tacitus

von Meinhard Wilhelm Schulz

 

X, 324 Seiten  
   
Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009
Reihe »Spudasmata«
 

Aus der Einleitung

Im Mittelpunkt der folgenden Abhandlung steht eine reiterliche Untersuchung und damit hauptsächlich der Versuch einer Neubewertung von Caesars Commentarii de bello Gallico; Commentarii de bello civili sowie der taciteischen Germania; dazu wird aber auch das übrige antike reiterliche Umfeld ins Licht gerückt werden müsssen, selbst wenn den größten Teil der Untersuchung Caesars Werke in Anspruch nehmen: Seine Schriften scheinen auf den ersten Blick keiner neuen Interpretation zu bedürfen, denn sie stehen im traditionellen Augenmerk der Philologen und Historiker; auch zur taciteischen Germania häufen sich Kommentare und Einzelschriften; dennoch gibt es bei beiden noch eine Lücke zu schließen: Man hat nämlich den reiterlichen1 Aspekt bisher so gut wie ganz übersehen.

Um dieses Thema erfolgreich abhandeln zu können, muss die folgende Arbeit ziemlich vielschichtig angelegt sein und, wo erforderlich, über den rein reiterlichen Aspekt hinaus gehen. In folgenden Punkten sollen Untersuchungen und Interpretationen angestellt werden: a) allgemeine Kritik am Inhalt der Texte, u. a. mit der auf Basis der Hirnforschung neu formulierten Frage nach der Glaubwürdigkeit der antiken Autoren; b) allgemeines biologisch-hippologisches Wissen, darunter die Frage: Wie verhält sich das Pferd in welcher Situation? Welches Training ist durchzuführen, um zu entsprechenden Erfolgen zu gelangen? c) Untersucht wird auch der archäologische Befund unter dem Aspekt: Wie sah das germanische Pferd wirklich aus, über das Caesar und Tacitus berichten? d) der ethnologische Vergleich: Wie ritten z.B. die Indianer unter ähnlichen kulturellen Bedingungen? e) die Ergebnisse der Physik, um Näheres zur Theorie des Speerwerfens (bei der Interpretation der Germania) sagen zu können. f) Zwei praktische Versuche sollen Caesars und Tacitus’ reiterliche Aussagen bestätigen bzw. widerlegen. g) Die lateinischen Quellen liegen im Original und in eigener freier Übertragung vor. [...] Wenn in der reiterlichen Auswertung der Quellentexte meist so gut wie keine Kommentare zitiert werden, hängt dies damit zusammen, dass v. a. bei Caesar das Thema bisher niemand bearbeitet hat; aber auch die bisherigen entsprechenden Untersuchungen zur Germania sind reiterlich neu zu bewerten.

Alle befragten Altphilologen, Althistoriker, Geschichts- und Lateinlehrer hatten keine reiterlichen Kenntnisse; von der Biologie des Pferdes wussten sie nichts. Die Biologen wiederum verstanden sich weder auf das Reiten noch auf die historischen Zusammenhänge. Sportlehrer konnten mit dem Thema Reiten nichts anfangen. Reiter hatten Probleme, da ihnen der historische Hintergrund fehlte und sie nur in einer modernen Reitschule ausgebildet waren. In der Antike aber ritt man anders auf teilweise anderen Pferden: Hier liegt unter Beifügung zweier praktischer Experimente eine zwar vielschichtige, aber i.W. althistorisch-altphilologische Arbeit vor.