Helmut Schareika

Wortschatztrainer auf dem Prüfstand

Die hier vorgestellten drei Lernprogramme unterscheiden sich stark voneinander: Eines kommt mit komplexen Intentionen, ein anderes sucht durch höchst gelungene grafische Gestaltung den Weg zur Lernlust der Schüler und gleichzeitig den Bezug zur historischen Welt der implementierten Wörterwelt, das dritte ist bescheiden im Funktionalitätsanspruch, verfolgt jedoch eine sehr bewährte methodische Idee.

Ein Schiff mit „Syntaxsteuerpult“ – Navigium

Navigium, Computertraining Latein + Bellum Gallicum, Version 6.5, Philipp Niederau GmbH Aachen 2001. Informationen über www.navigium.de.

Installationsvoraussetzungen: PC mit 486-Prozessor ab 300 Mhz, mindestens 16 MB RAM, Windows ab Version 95, 80 MB freier Festplattenspeicher, SVGA-Grafikkarte, Bildschirm ab 800x600 Pixel, DirectX 7.0

Das – lehrbuchunabhängige1 – lateinische Lernprogramm Navigium gehörte zu den ersten seiner Art und zählt damit heute zu den innerhalb der selbstgesteckten Ziele ausgereiftesten; über inzwischen mehr als zehn Jahre wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. Die aktuelle Version 6.5 ist mit oder ohne einen Teil „Bellum Gallicum“ erhältlich (s.o.); dieser Teil weist die kompletten Bücher des BG (ohne das achte) auf, in ihm stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, mit deren Hilfe der Zugang zu Cäsars Text erleichtert werden soll.

Das Programm läßt sich einwandfrei installieren und folgt in allen Details den bekannten Windows-Konventionen. Unter allen Aspekten wirkt es aufgeräumt und durchdacht, die Funktionen sind auf eingängige Weise zugänglich.

Glücklicherweise sind inzwischen frühere lästige Kopierschutzvorkehrungen verschwunden; man muß nur immer die Original-CD einlegen. Während der Sitzung läuft das Programm im Prinzip stabil, allerdings führten bei der Erarbeitung dieses Berichts im Zusammenhang mit der „Textfunktion“ (s.u.) mehrere Abstürze des Gesamtprogramms zu Ratlosigkeit.

Es ist schier unmöglich, die Funktionsvielfalt des Programms auch nur annähernd vollständig zu beschreiben. Es versteht sich selbst als „Arsenal von Hilfsmitteln zum Erlernen der lateinischen Sprache“ und begreift dabei „Wortschatz, Formenlehre und Texterschließung [als] Schwerpunkte des lateinischen Sprachunterrichts“.

Dem „Arsenal-Charakter“ entspricht, daß Navigium mit einem (statischen) Startbildschirm aufwar tet (Abb. 1); dieser zeigt ein römisches Heerlager mit einem triumphierenden belorbeerten Legionsoffizier (ein einfacher Soldat schiebt zudem Wache vor einem Zelt, ein weiterer döst liegend vor sich hin). Von dort aus kann man die einzelnen Funktionen des Programms aufrufen: Anleitung, Tabellen, Vokabelverwaltung, Vokabeltrainer, Stammformentrainer, Wörterbuch, Suchfunktion, Textfunktion, Deklinationshilfe, Konjugationshilfe, Übungen, Wörterbuch BG, Suchfunktion BG, Hypertextfunktion BG.

Grundlegend für die Arbeit mit dem Programm ist eine „Arca formarum“, in welcher der Schüler seinem Pensen-Kenntnisstand entsprechend das definiert, was ihm das Programm an Formen in verschiedenen Anwendungskontexten abverlangt. Je fortgeschrittener er ist, umso leichter dürfte es ihm gelingen, die entsprechenden Kästchen mit den grammatischen Abkürzungen anzuklicken (aber auch umgekehrt?).

Vokabeln & Formen

Das Programm selbst basiert nun auf einer recht gewaltigen Datenbank aus etwa zehntausend Wörtern und den entsprechenden Formen, dazu kommt als Datenbank in der Version mit Bellum Gallicum der entsprechende Text. Alle Wörter, Formen, Sätze, Teilsätze sind je nach ihren formalen und syntaktischen Parametern über entsprechende Markierungen miteinander verknüpft; aus dieser umfassenden Vernetzung ergeben sich die Möglichkeiten, die der Benutzer bei der Aktivierung der Programmfunktionen vorfindet. Aber: Nur, was hier „eingespeist“ wurde, macht den Horizont des Programms aus.

Bei der Vokabel-Verwaltung ist eine Einwirkung auf das Programm vorgesehen, ein in jedem Fall positives Merkmal. Die „mitgelieferten“ etwa zehntausend Vokabeln sind nach Sachgruppen geordnet. Über eine Eingabemaske lassen sich nun beliebig Wörter hinzufügen, v.a. aber können alle Wörter auch nach eigenen Bedürfnissen in eigenständig definierte Lektionen oder Gruppen eingefügt werden. Ohne diese Möglichkeit wäre das Programm als lehrwerkunabhängiges Angebot zumindest bis zum Ende der Lehrbuchphase ganz nutzlos.

Die Anlage eigener Lektionen ist in der Praxis jedoch trotz „eingebauter“ Erleichterungen nicht ohne Probleme: Die Vokabelbedeutungen2 (s. Abb. 2) müssen zu einem Gutteil modifiziert werden, vor allem sind bei Abstimmung der grammatischen Angaben auf Pensenfolge und Begrifflichkeit der einzelnen Lehrwerke Entscheidungen zu treffen, die von Anfängern über längere Phasen kaum zu leisten und auch sonst nicht sehr praktikabel, jedenfalls aber gewöhnungsbedürftig sind.

Die Aufnahme weiterer Wörter wird bei Anfängern kaum vorkommen. Erfahrenere Lerner werden eine Zuordnung zu den vorhandenen Sachgruppen nur in den wenigsten Fällen leisten können. In jedem Fall muß man sich an die unflexiblen Vorgaben der Datenbankstruktur halten, also z.B. auch ganz überflüssige Elemente eintragen wie etwa den Genitiv eines Neutrum-Nomens auf -um oder das Perfekt eines Wortes der a-Konjugation.

Leider ignoriert Navigium (wie die meisten Programme) die unverzichtbare Kennzeichnung von Vokallängen für die Aussprache.

Den Vokabeln sind z.T. zahlreiche Wendungen bzw. Phrasen beige geben, ein für das Erfassen des Wortgebrauchs sehr wichtiges Element, das anderen Vokabellernprogrammen fehlt. Außerdem werden die Wörter unter dem Etikett „Merkhilfe“ von Kontinuanten aus dem Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen sowie Fremdwörtern im Deutschen begleitet.3

Phrasen und „Merkhilfen“ kann man immerhin ein- und ausschalten, doch stets kauft man alle im Sack, so daß viel nur Störendes geboten wird, denn auf irgendein Curriculum wird natürlich keine Rücksicht genommen.

Beim Vokabeltraining ist im „schriftlichen Modus“ stets nur eine Bedeutung einzugeben; weitere werden dann angezeigt und können vom Schüler registriert werden. Eine sinnvolle Lösung – trotzdem bleibt auch hier das grundlegende Problem aller Vokabel-Lernprogramme: Sie akzeptieren als „richtig“ nur, was sie selbst „wissen“, also keine Syn onyme und Varianten.

Das trifft auch für den „Risiko“-Modus zu, bei dem der Lernende „alle Bedeutungen“ (also die im Programm gespeicherten) eingeben soll, z.B. zwei oder vier. Das „Risiko“ des Lernenden geht hier allerdings so weit, daß er z.B. bei Eingabe von drei „richtigen“ und einer „falschen“ Bedeutung gnadenlos global abgestraft wird: „Falsch! Malus: Fünf Minuspunkte“. Neben der Abfrage per schriftlicher Eingabe existieren der Modus „mündlich“ (der Lernende „antwortet“, kontrolliert sich per Mausklickabfrage und vermerkt „richtig“ oder „falsch“) und die Zuordnung von lateinischem und deutschem Wort. So wird der Lernende auch intensiver in den Lernprozeß einbezogen, da er die memorierte(n) Bedeutung(en) mit der (den) zur Kontrolle angezeigten vergleichen kann.

Lernstatistiken, Fanfarenstöße, aufmunternde Kommentare, hüpfende Senatoren u.a. begleiten das Lerngeschehen. Als „Analyse“ läßt sich zehntausend Mal derselbe eher nicht witzige „karnevalistische“ Text anzeigen.

Sehr positiv ist jedoch anzumerken, daß das Programm bis zu zwei Tippfehler pro Wort toleriert (auch beim „Risiko“ mit mehreren Wörtern) und mit der Rückfrage „Tippfehler?“ reagiert, statt eine falsche Antwort zu konstatieren. Der Lernende kann dann noch reagieren.

Insgesamt kann der „Vokabeltrainer“ dieser navis oneraria zweifellos die Rolle einer „neutralen“ Abfrageinstanz übernehmen – vorausgesetzt, es gelingt dem Übenden, die curricular notwendigen und sinnvollen Portionierungen vorzunehmen. Man kann in diesem Zwang, die zu lernenden Vokabeln zusammenzustellen (nur so läßt Navigium sich benutzen), etwas Positives sehen. Allerdings muß der Lernende dazu die nötige Ausdauer mitbringen und seine Lektionen kontinuierlich anlegen und pflegen. Die integrierten Lektionen bzw. Sachgruppen sind evtl. in einer späteren Phase nach dem Lehrbuch von Nutzen, wenn man aus eigenem Antrieb Vokabeln wiederholen möchte.

Die Gestaltung des Vokabeltrainingsteils ist in der Funktion „schriftliche Abfrage“ weder in der Raumaufteilung noch in punkto Schriften oder Farben besonders gelungen, in den anderen Funktionen zumindest von der Farbgebung her nicht mehr akzeptabel (schon längst können Windows und die Grafikkarten mit mehr als zwölf schaurigen Farben umgehen).

Leider ist Navigium von kindertümelnden Elementen nicht frei, die auch die Jüngeren bei der ersten Begegnung kaum zu reizen vermögen. Dagegen kann man wenigstens nicht von ausgesprochenen Fehlern oder Unsinn sprechen, wie sie bei anderen bekannten Programmen zu finden sind, vielleicht bis auf Fälle wie „inniti“: das Programm muß dieses Wort infolge seiner starren Struktur wie zwei verwalten, weil es zwei Varianten des Partizips besitzt (innisus/ innixus). Will ein Schüler dieses Wort in seine Lektion aufnehmen, muß er sich für „eines von beiden“ entscheiden …

Navigium „flektiert“ oder „analysiert“ alle flektierbaren Wörter, die es kennt. Das Programm schwelgt in Tabellen oder Übersichten, oder der Lernende kann Formen in Tabellen eintippen. Der Zufallsgenerator macht bei diesem „Üben“ keinen Unterschied zwischen häufigen Vokabeln und Solitären. Umgekehrt kann der Übende der Forderung, immer wieder „o,avi,atum“ u.ä. einzutippen, nicht entrinnen.

Das Eintippen oder Bestimmen isolierter Wörter oder Formen kann man nicht ernsthaft als Lateinlernen bezeichnen wollen, genauso wenig wie die unübersichtlichen Grammatiktabellen und -übersichten des Programms einem Vergleich sogar mit inzwischen schon angestaubten gedruckten Grammatiken standhalten.

Eine Aufstellung der Übersetzungs„möglichkeiten“ etwa des Ablativus absolutus geht an dem Hauptproblem vorbei, daß ein Abl. abs. erst einmal erkannt und dann aus dem Kontext heraus in seiner Sinnrichtung erkannt werden muß. Insgesamt ist festzustellen, daß Navigium in diesem Bereich weder methodisch noch didaktisch ist.

„Übrigens: Sämtliche der in Navigium enthaltenen Tabellen können ausgedruckt werden, also auch die ca. 5000 automatisch generierten Analysetafeln zu Deklination und Konjugation“ – so (u.a.) werben die Autoren für Navigium. Gedruckte Grammatiken kommen mit ein paar Seiten Tabellen aus und vertrauen auf die Fähigkeit der Schüler zu Transferleistungen. Dieser formale Bombast ist in den meisten Vokabel-Lernprogrammen vorzufinden, nicht jedoch – auch im Falle von Navigium nicht – das, was das frucht bare Ferment von Wörter lernen wie Formenlernen ist: in haltliche und damit sprachliche Kontexte.

Die „Textfunktion“

Mit der „Textfunktion“ bietet Navigium ein durchaus interessantes Element. Hier kann man in ein spezielles Fenster einen Text eingeben (oder einen vorhandenen Text – *.rtf oder *.txt – darin öffnen) und ihn mittels verschiedener „Instrumenta“ bezüglich seiner Vokabeln analysieren lassen, so daß man z.B. Vokabellisten in den Grundformen erstellen kann.

Diese muß man dann zwar genauestens prüfen – so ordnet das Programm bei „facta est lux“ das Wort „facta“ den Stichwörtern „facere“, „fieri“ und „factum -i n.“ zu und weiß bei „fiat lux“ nicht, ob es facere oder fieri für zuständig halten soll, oder bei „quod“, was die kontextuell zutreffende Angabe sein muß, weswegen auch hier alle rein äußerlich möglichen Lösungen angeboten werden –, aber das kann technisch einfach nicht anders funktionieren.

Umgekehrt generiert das Programm eine Liste derjenigen Wörter, die es nicht kennt. Auf diese Weise lassen sich z.B. einerseits die Grundlagen für entsprechende Vokabelhilfen herausfiltern, andererseits auch zielgerichtet kontinuierliche Erweiterungen des Wortbestandes des Programms vornehmen.

Prinzipiell bietet die Textfunktion allerdings v.a. eine probate Möglichkeit, Lektionsvokabularien zum eigenen Lehrbuch zu erstellen: Man tippt den jeweiligen Text ein und läßt dann die Listen generieren. Allerdings, die Homographa: Nur wer den Text versteht, kann die unzutreffenden Lösungen aussortieren – also auch die Schüler? „Man kann“, ja – aber eben nur bei den entsprechenden Voraussetzungen.

Eine weitere Variante der „Textfunktion“ liegt in der Möglichkeit, einen eingegebenen oder geladenen Text mit dem Wortbestand aus gewählter Vokabellektionen zu vergleichen; als Ergebnis (in einer Kontrolldurchsicht nach dem ersten Analyseprozeß lassen sich auf Homographa zurückgehende Dubletten, Tripletten usw. ausscheiden) werden dann die nicht zum Bestand gehörigen Vokabeln ausgegeben. Auf diese Weise lassen sich also gut und mühelos – dies interessiert dann Lehrer – für Klassenarbeiten o.ä. entsprechende Hilfen erstellen. Beim Bearbeiten hilft die Suchen-und-Ersetzen-Funktion des Textverarbeitungsprogramms, überflüssige Angaben wie z.B. „-i n“ als Angabe für Genitiv und Neutrum oder „o,avi,atum“ zu entfernen bzw. anderes der eigenen Schreibweise anzupassen oder ggf. Gewünschtes hinzuzufügen.

Cäsar und das Syntaxsteuerpult

Der Cäsarteil des Programms um faßt den Text der Bücher I–VII des „Bellum Gallicum“, ein vollständiges Vokabular dazu sowie eine eigene Suchfunktion. Das Vokabular ist auch hier mit Phrasen, den sog. Merkhilfen, aber auch mit „Infos“ versehen; unter letzteren sind einerseits willkommene, teils ausführliche Hinweise zu Namen zu verstehen, andererseits ergänzende Angaben zu Vokabeln wie zugehörige Komposita, Wortfelder u.ä.. Zu jedem Wort läßt sich auch hier unter dem Knopf „Grammatik“ das jeweils komplette Paradigma aufrufen. Die „Suchfunktion“ er möglicht die Eingabe eines Wortes, zu dem darauf die grammatischen Parameter angezeigt werden, bei homographen Formen entsprechend viele.

Der Textteil ist als Datenbank angelegt und als Hypertextfunktion gestaltet. Den fortlaufenden Text kann man dabei nicht anzeigen und verfolgen.

Über eine Suchmaske lassen sich beliebige Sätze, deren Anfang dargestellt ist (bis zu welcher Höchstzahl wurde nicht getestet), aus den einzelnen Büchern (aber offenbar stets nur aus einem) markieren und per Klick anzeigen; auf die gleiche Weise kann man nach beliebigen Wörtern und Wortfolgen sowie grammatischen Konstruktionen suchen und sich die entsprechenden Textstellen – diesmal buchübergreifend – anzeigen lassen. Beides mag für bestimmte Bedürfnisse durchaus sinnvoll sein, einerseits für Lehrer (alle Ablativi absoluti lassen sich herausfiltern), andererseits auch für Schüler (sie können, aber eher erst im nachhinein, die Stelle ihres Klassenarbeitstextes ermitteln).

Diese Such- und Darstellungsmöglichkeiten sind Resultat der Anlage des Textes als Datenbank, in der alle grammatisch unterscheidbaren Elemente markiert und zueinander in Beziehung gesetzt wurden. In erster Linie dient diese Aufbereitung dazu, ausgewählte Textstellen anzuzeigen, damit sie mittels grammatischer Kategorien erschließbar werden. Der ausgewählte Text läßt sich dann einmal als Fließtext, zum andern als kolometrisch strukturierter Text (alle Nebensätze werden, ggf. gestuft, eingerückt 4) darstellen. Wichtig ist, daß die Auswahlmöglichkeit nicht auf einen Satz beschränkt ist, sondern daß man z.B. vorangehenden oder folgenden Kontext mitanzeigen kann.

Durch Anklicken mit der Maus zeigt die Suchfunktion des Programms Bedeutung und grammatische Merkmale jedes Wortes an, freilich nicht kontextbezogen, sondern ausschließlich nach den äußeren Merkmalen, also ggf. alle „möglichen Bedeutungen“.

Die eigentliche Schaltstelle dieser Hypertextfunktion liegt jedoch in dem Syntaxsteuerpult (Abb. 3), das entweder grammatische Strukturen des Textes nach Anklicken des entsprechenden Begriffs auf verschiedene Weise hervorhebt oder diese, fährt man mit der Maus über entsprechende Textstellen, selbst durch Aufleuchten anzeigt. Diese Funktionen sind recht ausgeklügelt angelegt und brauchen im einzelnen hier nicht aufgezählt zu werden.

Navigium bietet damit die Möglichkeit, sich mit komplexer grammatischer und lexikalischer Hilfestellung an Cäsar im Lateinischen zu üben. Das dürfte bei entsprechend abgestellter Lehrmethode auch im Klassenraum möglich sein, wird aber wohl v.a. bei der häuslichen Arbeit seinen Platz finden; und obwohl der „komplette“ Cäsar ja kaum Gegenstand des schulischen Unterrichts ist, ist er als umfassendes Übungsmaterial doch vielleicht willkommen.

Allerdings: Die gesamte Texterschließung läuft ausschließlich über grammatische Kategorien ab. Von Wegen zu einem natürlichen, d.h. semantischen Texterfassen finden sich keine Ansätze, Grammatik ist nicht Unterstützung, sondern Schlüssel von Textverstehen (so dieses denn auf diese Weise gelingt). Auch wenn z.B. transphrastische Elemente in die grammatische Betrachtung integriert sind und die im „Syntaxsteuerpult“ vorgegebenen Elemente z.B. vorerschließende Operationen ausdrücklich möglich machen, wird in Navigium der Text weiter konstruiert.

Fazit

Dies entspricht dem Erscheinungsbild des Gesamtprogramms: Es ist virtuos und vielseitig gemacht und greift etwa in der grammatischen Terminologie modernere Entwicklungen auf. Die Ergonomie ist in Ordnung, allerdings ist das Erscheinungsbild eher wenig anmutend. Daran ändern auch Karikaturen mit den hüpfenden Senatoren oder mit triumphierenden Legionären wenig. Die aktuelle Beigabe eines „interaktiven“5 Formentrainings mit grafischer Gestaltung ist gut gemeint, in der beständigen Wiederkehr desselben Bildes aber weder überzeugend noch motivierend.

Das Vokabel-Lernmodul kann – bei gelungener individueller Anpassung und wenn man so lernen mag! – nützlich sein, läßt aber die heutigen Forderungen nach kontextbezogenem Wörterlernen außer acht. Nicht zuletzt die Dominanz von Formentabellen und kontextlosen Formenübungen muß jedoch beim Lernenden den Eindruck zementieren, das Lateinische sei eine Bauklötzchensprache, der man nur durch – bezogen auf „normales“ Lesen – merkwürdigste Operationen beikommt.

Nicht von ungefähr wird diese Anschauung auf der „Baustelle“ der „interaktiven“ Formenbestimmung bildlich in Szene gesetzt. Insofern bewegt sich dieses „Navigium“ in den engen Fahrrinnen der Schulgrammatik einer toten Sprache, während die lebendige lateinische Sprache außerhalb davon pulsiert und auf lebendigere Weise erfahren werden will.

Heiter im Äußeren und vielseitig – Memodux

Memodux erscheint je nach zugehörigem Lehrbuch bei C.C. Buchner (Bamberg), Oldenbourg (München) und Lindauer (München); Informationen auch über www.memodux.de.

Systemanforderungen unter Windows (95 und höher): mindestens Pentium 100 PC (oder vergleichbarer Prozessor), 16 MB RAM, VGA-Gafikkkarte mit 16 bit bei 640x480 Pixel, 12 MB freier Festplattenspeicher bei Minimalinstallation; Quicktime wird, falls nicht vorhanden, mit installiert.6

Der „Wortschatztrainer zum Lateinbuch“ Memodux existiert in auf verschiedene Lehrwerke zugeschnittenen Versionen; wie nur wenige Programme im schulischen Lernbereich ist es sowohl als Windows- wie als Macintosh-Version verfügbar.7

Jedoch nicht dadurch, sondern wegen eines anderen Programmierverfahrens unterscheidet es sich in seiner Oberfläche und Bedienerstruktur nicht unerheblich von den bekannten Windows- (oder weit gehend gleichen Macintosh-) Konventionen: Memodux kommt mehr in Gestalt eines grafikorientierten Spiels daher und verfügt über zahlreiche entsprechende Inhaltselemente. Das heißt, daß es keine Menüführung im eigentlichen Sinne gibt, wohl aber in der Funktion analoge grafische Elemente und verschiedene Mauszeigerformen, die den Benutzer durch das Programm führen. Entsprechend seiner anderen Grundanlage präsentiert sich Memodux in allen Bereichen (elegant) bunt, liebevoll und durchdacht gestaltet und mit zahlreichen videomäßigen Elementen versehen.

Das Fehlen der üblichen Menüführung trägt dazu bei, daß manche Programmelemente erst über exploratorisches Entdecken zugänglich werden. Darin zeigt sich erneut die an Computerspiel-Strukturen orientierte Anlage des Programms, womit Schüler in der Regel jedoch keine Probleme haben dürften. Das beigefügte Erläuterungsheftchen könnte gleichwohl ausführlicher gehalten sein, es gibt nicht über alle Fragen Auskunft. Allerdings steht dem fragenden Benutzer innerhalb des Programms stets der Weg zu einer informativen Hilfefunktion offen.

Die Installation des Programms vollzieht sich problemlos mit dem ersten Einlegen der CD. Vorsicht ist beim Betrieb mit der Esc[ape]-Taste geboten: Ihre Betätigung schaltet das Programm in jeder Situation gnadenlos aus.

Als eines der ganz wenigen auf dem Markt befindlichen Programme – wenn nicht als einziges – wurde Memodux in seiner Gestaltung in allen Einzelelementen konsequent für den Lateinunterricht konzipiert und realisiert. Auf diese Weise versucht das Programm, in allen Lernbereichen „römisches Ambiente“ zu schaffen. Hierzu hat man sich viel einfallen lassen. Diese Ideen wirken nirgends auf dringlich oder kindertümelnd, sondern erscheinen als funktional und angenehm. Dabei ist einzuräumen, daß etwa die Gestaltung der 3-D-Grafik im Programm bereich „Ludus“ zwar liebevoll und eindrucksvoll gemacht ist, aber etwas steril wirkt – nicht zuletzt vielleicht auch, weil Personen in diesem Ambiente nicht vorkommen.

„Römisches Ambiente“ setzt sich auch darin fort, daß die meisten Programmbereiche und Funktionen lateinische Bezeichnungen bekommen haben. Diese Haupt-Programmbereiche sind die Schola, die Arena, der Campus und der Ludus.

Wichtig ist die Memobox, in die alle nicht gewussten oder nicht bearbeiteten Wörter (aus mnemotechnischen Gründen bis maximal 25) eingespeichert werden. Diese können zur erneuten Bearbeitung aufgerufen, aber auch als Lernkärtchen ausgedruckt werden (auf A4-Bögen mit Linien zum Ausschneiden); zur Aufbewahrung der Lernkärtchen läßt sich nach einer ausdruckbaren Schablone ein allerdings eher „virtuelles“ Kästchen basteln. Damit wird das bewährte (und vielleicht nach wie vor nicht übertroffene) Medium der Lernkartei mit dem elektronischen Medium zusammengeführt.

Ausdrucken lassen sich natürlich auch bei diesem Programm Wörterlisten aus den verschiedenen Kontexten. Erwähnenswert auch, daß beim Vokabellernen die einzelnen Wörter i.a. sauber vorgesprochen werden, und dabei läßt sich sogar zwischen Kikero- und Zizero-Aussprache wählen! Leider weist Memodux keine Kennzeichnung der langen Vokale auf, wofür jedoch die Sprachausgabe bis zu gewissem Grad als Kompensation angesehen werden kann.

Die angezeigten (sowie eingegebenen) Wörter bzw. Texte sind, was die Schriftgröße und Schriftart betrifft, in allen Kontexten sehr gut lesbar und aufeinander abgestimmt. Angenehm ist auch die Anordnung und Aufteilung der Informationen auf dem Monitor. Man merkt, daß hier auch Büchermacher am Werke waren, die vom aufnehmenden Auge des Benutzers aus gedacht haben.

Die Schola versteht sich als „Lernzentrum“ von Memodux: Im Modus „Einprägen“ lassen sich zunächst die Vokabeln der in jeder Sitzung neu definierbaren Lektionen betrachten und eben einprägen. Dabei lassen sich Merkhilfen aktivieren, darunter die zu diesem Zweck eher unbrauchbaren oder dysfunktionalen fremdsprachigen Kontinuanten, v.a. aber auch Wendungen, in denen die zu übenden Wörter eine Rolle spielen.

Im Modus „Testen“ sind dann die Bedeutungen (stets eine) einzutippen, wobei Memodux das Wort positiverweise mehrmals vorlegt, falls mehrere stärker unterschiedliche Bedeutungen vorliegen. Auf Tippfehler reagiert das Programm nicht großzügig (die Einlassung im Beiheft, dadurch solle zu konzentriertem Arbeiten erzogen werden, wirkt eher verhüllend). Und auch bei Memodux existiert natürlich das Kardinalproblem, daß Synonyme nicht toleriert werden (können) und daß die lernenden Schüler auf Wortgleichungen lateinisch–deutsch konditioniert werden.

In der Arena lassen sich die vorgelegten Wörter per Klick in einem zu definierenden Zeitintervall einer von vier Bedeutungen zuordnen, hier läßt sich also vorhandenes Wissen „ganz auf die Schnelle“ überprüfen.

Die umfassendste Auseinandersetzung mit dem jeweils ausgewählten Vokabular findet auf dem Campus statt: „Üben nach Kategorien“ (Sachfelder, Wortfelder, Wortfamilien), „Grammatikübungen“ (Wortart, Perfektbildung, Genus, Formen), „Wortbildungsübungen“ (Erschließen der Wortbedeutung, Wortbildung). Auf dem Campus läßt sich schließlich auch eine Suchfunktion zum Gesamtlexikon aufrufen, über die nach der Bedeutung eines Wortes gefragt werden kann (Abb. 4). Wie in anderen Programmteilen auch bietet hier der Äskulapstab den Schlüssel zu jeweils kontextabhängigen Hilfestellungen.

Der Bereich Ludus schließlich soll nicht den römischen Schulunterricht à la „manum ferulae subducere“ in den Computer hineinholen, sondern er bietet eine Entdeckungstour durch eine römische Straße und ein römisches Haus im Stil von Computerspielen:

Geleitet von Hinweisen und/oder Änderung des Mauszeigers kann man auf verschiedene Gegenstände bzw. Abbildungen klicken und gerät zu Informationen über ganz verschiedene Bereiche des Alltagslebens, seien es der menschliche Körper und die Begriffe für seine Teile, die sich spielerisch zuordnen lassen, seien es die Teile des römischen Hauses, sei es der Tisch eines Gastmahls mit Speisen und Geschirr (Abb. 5), sei es der Blick in einen Bücherschrank, in dem z.B. die Rolle mit Cäsars „Bellum Gallicum“ (warum kein anderer Text?) Einblick in den Anfang des Werkes gewährt, an dem sich auch (sinnvolle) spielerische Operationen vollziehen lassen.

Fazit

Dieses Programm wird seine Funktion vermutlich in erster Linie bei der häuslichen Einzelarbeit erfüllen, wird jedoch auch in Form von Netzwerkversionen für den schulischen Einsatz unter Anleitung des Lehrers angeboten.

Memodux ist ein vorzüglich konzipierter und gestalteter lateinischer Vokabeltrainer, der aus allen vergleichbaren Angeboten insbesondere dadurch hervorsticht, daß er Wörterlernen und Sachwelt des Gegenstandes miteinander zu verknüpfen sucht (zum Slogan „Interaktiv Latein“ lernen vgl. Anm. 5).

Die Autoren und Programmierer haben sich bemüht, über das Niveau der Oberflächengestaltung üblicher Anwendungen weit hinaus zu ge langen und Möglichkeiten der Computertechnik auszunutzen, statt nur Inhalte in der Standardform auf den Bildschirm zu übertragen.

Memodux bleibt dabei lernmethodisch einerseits innerhalb der Festlegungen der zugehörigen Lehrwerke und beschränkt sich auf das Trainieren isolierter Wörter (unter Einbindung zahlreicher Phrasen). Dabei verzichtet es in wohltuender Weise auf die mehr als fragwürdige Präsentation endloser Formentabellen, verbunden mit der „Bestimmung“ von Einzelformen durch das Programm, und mutet den Lernenden keinerlei z.B. vom Zufallsgenerator erzeugte unsinnige „Übungs“angebote zu wie andere Programme.

Andererseits greift es in vorbildlicher Weise den wichtigen didaktischen Gedanken auf, daß Wörter einer Sprache deren Welt enthalten, und integriert entsprechende Ideen. Dies ist im Realienbereich des Programms besonders augenfällig. Zu bedauern ist dabei allerdings, daß mit großem Aufwand hergestellte Elemente wie z.B. der Bereich „Ludus“ dann doch relativ schnell vom Schüler „absolviert“ sind. In diese und ähnliche Richtungen können jedoch Weiterentwicklungen gehen, und erhöhte Prozessorleistungen von Computern und weiterentwickelte Speichertechniken implizieren die Möglichkeit, noch komplexere Programme mit zahlreichen weiteren derartiger Elemente zu entwickeln (wenn denn finanzierbar).

Etwas komplexer wünschte man sich die Hilfefunktion, neben der kontextuellen auch eine systematische. Die Frage, wie bzw. ob man z.B. zu einem bestimmten Lernkontext zurückkehren kann, wenn man einmal unterbrechen muß, d.h. wie man den „Spielstand speichern“ kann, blieb ungeklärt, ohne Weg zu einer Antwort.

Das Programm Memodux zeigt, daß bei entsprechendem Innovations- und Ideenwillen viel realisierbar ist. Davon wäre z.B. auch ein konsequent kontextorientiertes Lernen von Vokabeln nicht ausgenommen. Das wäre dann eine weitere Stufe.

Die elektronische „Lernkartei“ – Couvert

Couvert für Windows, über Fa. aec GmbH Dipl.-Ing. Norbert Seifert, Herzogenaurach, erhältlich. Die aktuelle Version 4.1 läuft auch noch unter Windows 3.1, benötigt mindestens 8 MB RAM, 10 MB freien Festplattenspeicher und möglichst einen Pentium- oder entsprechenden Prozessor ab 100 MHz.7

Das Lernprogramm Couvert für Windows ist einerseits ein inhaltlich ganz offenes Programm (es lassen sich Lektionen bzw. Datenbanken mit ganz beliebigen Inhalten anlegen), andererseits ist es darauf ausgerichtet, Lernen und Wiederholen nach dem Prinzip der Lernkartei mit mehreren hierarchisch gestuften Wiederholungs-„fächern“ zu ermöglichen.

Dazu werden zunächst aus dem Lernbestand Lernpakete in ein erstes Lernfach überführt, beim Lernen nicht gewußte Wörter werden nach und nach in weitere drei Fächer verschoben und systematisch bei erneuten Lernsitzungen abgefragt. Systematisch bedeutet dabei, daß sich alle dazu nötigen Parameter – Lernzyklen, Antwortzeiten usw. – individuell festlegen lassen (Abb. 6).

Für jeden Datensatz (hier also: jedes Stichwort) sind folgende separate Einträge vorgesehen:

Lernsprache (mit den zugeordneten Lernelementen, also z.B. grammatische Angaben);

Phrasenzeile (gedacht für einen Merksatz oder eine Eselsbrücke);

Ausgangssprache (hier: die Übersetzung zum Inhalt des Feldes „Lernsprache“);

Lektion(snummer)

Thema (beliebige Kategorisierung)

Grafik (Zuordnung einer Grafik oder eines Bildes zur Veranschaulichung; leider nur im BMP-Format, d.h. nur eingeschränkt brauchbar).

Die mitgelieferten Vokabularien machen von den für das Lernen eher elementar wichtigen Feldern „Phrasenzeile“ und „Grafik“ leider keinen Gebrauch, in beiden Fällen lassen sich jedoch Ergänzungen vornehmen.

Die vorgesehenen Elemente reichen für ein sinnvolles Wortschatztraining voll aus, jedenfalls wenn man sich auf das beschränkt, was die traditionelle Lernkartei bietet. Entscheidend für die Nutzung ist daher die Anlage des mitgelieferten Wortschatzes (aus Urheberrechtsgründen kann einem solchen Programm ein Lehrbuchwortschatz nur mit Genehmigung des Rechteinhabers beigefügt werden).

Geht man jedoch von der Überlegung aus, daß sich ein Lernender seine Kartei selbst anlegen kann (sollte?), besitzt er mit Couvert ein sehr flexibles Instrument, bei dem insbesondere die „Phrasenzeile“ intensiv zu nutzen wäre. (Abb. 7)

Über einen Suchmodus (es genügt, Wortteile einzugeben) lassen sich Wörter mit entsprechenden Lautfolgen in einer Liste anzeigen, in der dann Änderungen und Ergänzungen z.B. je nach Voranschreiten des Pensums vorgenommen werden können.

An Lernmodi sind neben dem „Einprägen“ als erstem Lernvorgang und einer „Zwischenprüfung“ (dabei werde Wortbestände nicht in nachfolgende Fächer verschoben) vier vorgesehen, von denen die Modi „Lückentext“ sowie „Quizabfrage“ etwas versprechen, was sie nicht halten, so daß sie eigentlich ganz unergiebig sind.

Bei der „schriftlichen Abfrage“ existiert das bekannte Problem der Schreibfehler-Intoleranz und das der Konditionierung auf Wortgleichungen. Die „mündliche Abfrage“ überläßt es dem Lernenden, per Ja/Nein-Klick zu vermerken, ob er das Ergebnis korrekt gewußt habe – entsprechend wird die unvermeidliche „Lernstatistik“ gefüttert. Dieser Mo dus ist eigentlich der nützlichste und allein sinnvolle, der dem Lernenden die volle Autonomie überläßt.

Wer sich Wörter ausdrucken lassen will – die einer Lektion, eines Lernfaches, die nicht gewußten usw. – kann dieses in Form entsprechender Listen tun; solche lassen sich zur Kontrolle jederzeit allerdings auch auf dem Monitor anzeigen. Nicht ausdruckbar sind jedoch Karteikarten, wie man vielleicht vermuten möchte.

Kein anderes Lernprogramm verfolgt in der hier vorliegenden konsequenten Weise (Lerndisziplin vorausgesetzt) das lernmethodisch überaus sinnvolle Prinzip der Lernkartei mit Wiedervorlage nicht gewußter Wörter. Auf der anderen Seite steht eine in der Bedienung nicht besonders komfortable und grafisch nicht nach aktuellem Standard organisierte Benutzeroberfläche, manche Elemente sind nicht windowskonform und umständlich.

Doch könnte man das Programm zweifellos in vielerlei Hinsicht weiterentwickeln. Wer sich wie eingenügsamer Cato (und damit wie ein vir vere Romanus oder eine entsprechende Römerin) mit einem spartanischen (oder besser „altrömischen“) Ambiente zufriedengibt, kann mit Couvert gewiß seine Vokabeln wirksam trainieren, erst recht, wenn die Phrasenzeile und das Bildfeld ausgiebig genutzt würden. Daß ein sog. Formentraining fehlt, ist kein Nachteil, sondern ein Vorzug.

Dr. Helmut Schareika
D–55435 Gau-Algesheim

E-Mail: hs@textus.de

 


 

Anmerkungen

1 Es existiert auch eine auf das Lehrbuch Iter Romanum abgestimmte Variante.

2 Worauf die Festlegung der deutschen Bedeutungen fußt, ist nicht ersichtlich.

3 Diese Beigabe ist jedoch eher als Ballast anzusehen, denn faktisch sind diese Kontinuanten keine Lernhilfen: Dazu müßte man sie als Schüler einerseits in der Bedeutung beherrschen, andererseits weisen sie – bis auf Elementarwörter, auf die könnte man sich beschränken – nicht selten beträchtliche Bedeutungsdifferenzen zum Lateinischen auf. Es scheint auch keine Auswahl etwa nach dem Gesichtspunkt Grundwortschatz oder Häufigkeit getroffen worden zu sein. Nützlich ist der Umgang mit Kontinuanten jedoch im Zusammenhang mit gezielten Übungen, in denen z.B. auch die Frage der Bedeutungen erörtert wird.

4 Vgl.dazu in diesem Heft S. 32ff. und 48. (Anm. d. Red.)

5 Der genauso verbreitete (also nicht auf Navigium beschränkte) wie unsinnige Begriff „interaktiv“ gaukelt etwas vor, was nicht ist. Er bedeutet ja nur, daß das Programm bei nicht vorgesehenen „Aktionen“ des Benutzers diesen per Meldung in die vorgesehene Richtung lenkt. Weigert man sich z.B. im Navigium beim sog. Lernspiel, bei der Bestimmung einer Futurform „Indikativ“ anzuklicken (das Futur hat weder einen Konjunktiv noch einen Indikativ, sondern ist selbst ein Modus – was man lehren sollte!), kommt man nicht weiter: mit „inter“ ist es zuende. Mit einem Lehrer könnte man jetzt sprechen.

6 Bei den Lehrwerken handelt es sich um Felix A, Felix B, Latein drei, Roma sowie Cursus Continuus. – Die angegebene Mindestprozessorleistung scheint für einen befriedigenden Gebrauch jedoch deutlich zu gering.

7 „Couvert“ steht für „computer-unterstütztes vorstrukturiertes Erwerben und Trainieren von Wissen) – Das Programm wurde ursprünglich u.a. von Buchner vetrieben. Es ist mit integrierten Vokabularien zu Roma, Legere und Felix lieferbar.


Dieser Text erschien zuerst in: Der Altsprachliche Unterricht, Heft 3+4/2002, Seite 91–99
Die Rechtschreibung wurde hier wieder der herkömmlichen angepaßt. Die im AU-Heft vorhandenen Abbildungen wurden hier aus rechtlichen Gründen fortgelassen